10.09.2006

Mut

Heute trifft mich die ägyptische Göttin Mut. Sie ist eine von drei(!) symbolischen Müttern des Pharaos und trägt eine Geierhaube, seltener auch einen Geierkopf. Sonderbar, dass gerade die Tiere, die in Ägypten als göttlich verehrt wurden, bei uns als unappetitlich gelten: Geier, Schakal...
Manchmal trägt sie auch den Kopf eines Mannes oder einen Phallus...

10.06.2006

Niederscherli

Damals in der Schule mochte ich die Reizwortgeschichten gern. Mein erster Aufsatz hatte das Thema "Regenschirm, Wind, fortfliegen, Wolke". In meiner Geschichte ist gleich ein ganzes kleines Mädchen mit dem Regenschirm fortgeblasen worden. Auf einer Wolke hinter dem Regenbogen traf sie ihre Eltern wieder, die eigentlich schon gestorben waren... kurz, ich bekam eine eins, und dachte, aus mir würde mal eine Schriftstellerin werden. War aber nicht.
Dafür jemand, der Reizwortgeschichten bloggt. Nur dass die Reizwörter zeitgemäß aus Wikipedia-Artikeln bestehen: Die "Zufälliger-Artikel"-Funktion finde ich schon seit längerem toll, und nun bekommt sie eine ganz neue Dimension.

Der erste Artikel handelt von dem schweizerischen Dorf Niederscherli. Ich glaube nicht, dass man es "Nied-Ärscherli" spricht: In der Nähe liegt der "malerische Scherligraben", deshalb denke ich, dass es an dessen unterem Drittel liegt, Nieder-Scherli eben. Sie haben dort eine Grundschule, in der kleine Mädchen Reizwortgeschichten schreiben. Die Jungen spielen am Nachmittag Fußball, und alle zusammen tanzen Volkstänze. Ganz, wie es sich gehört. Am Sonntag macht man einen Spaziergang im Wald, denn nur dazu sind heutzutage Wälder da. Zum Einkaufen muss man nirgendwo hinfahren, fast alles, was man braucht, kann man in Niederscherli finden. Im Gegenteil, die Bauern der Umgebung fahren manchmal in dieses große Dorf zum Einkaufen. Sie schicken auch ihre älteren Sprösslinge nach Niederscherli, ins Gymnasium oder zum Handwerker in die Lehre.
Mit der S-Bahn ist man in 18 Minuten in Bern. Bern ist so groß, dass man sogar in Deutschland seinen Namen kennt. Sicher gibt es dort die modernsten Kinos und die lautesten Discos. Ich stelle mir vor, dass ein gut verstecktes aber breit gefächertes Rotlichtmillieu all die vielen Leute im Einzugsgebiet zufrieden stellt. Wenige handverlesene Dealer sind rührig damit beschäftigt, für die Menschen aus der Umgebung ausreichend interessante Stoffe heranzuschaffen. Wahrscheinlich ist am Samstag abend die S-Bahn voller als der Niederscherlier Dorfplatz. Ich frage mich, ob es in Niederscherli überhaupt noch Kneipen gibt?
Aber einer Sache bin ich mir sicher: Für die Berner Jugendlichen ist die coolste Disco so ein kleiner Laden, so eine umgebaute ehemalige Scheuer, irgendwo "Pssst! Sag's nicht weiter!", also irgendwo in der Nähe vom Scherligraben.